GAP-Deckung: So Funktioniert's!

Aktualisiert: 27. Nov 2018

Für gewerbliche Nutzer ist das Leasing von Pkw schon seit langem absolut im Trend, doch auch bei Privatnutzern steht das Leasing eines neuen Wagens inzwischen hoch im Kurs. Das liegt nicht nur an dem derzeit niedrigen Zinsniveau, das sich spürbar auf die Leasingraten auswirkt, sondern auch an den attraktiven Leasingangeboten, mit denen die Hersteller ihre Kunden ködern. Kein Wunder, dass sich deshalb immer mehr Menschen gerne ein top ausgestattetes Modell zu Leasingkonditionen vor die Tür stellen können.


Die Gefahr einer fehlenden GAP-Deckung


Doch die vergleichsweise niedrigen Raten, zu denen selbst Limousinen und SUVs der Ober- oder Luxusklasse geleast werden können, verführen viele Kunden dazu, eine drohende Gefahr des Leasingmodells zu übersehen: Die fehlende GAP-Deckung, die Sie im Falle eines Unfalls sehr viel Geld kosten kann.

Die Gap (Englisch: Lücke) entsteht aus der Differenz des Wiederbeschaffungswerts eines Fahrzeugs mit den sich aus dem Leasingvertrag ergebenden Restbeträgen bei Zeitpunkt des Schadens. Generell gilt, dass je früher der Schaden in einem Leasingvertrag eintritt, die Restschuld und damit die zu finanzierende Lücke umso größer ausfällt. Dazu wächst die Lücke mit dem Wert des Fahrzeugs und der daraus resultierenden Leasingzahlungen.

Um das Risiko auszuschließen, müssen Sie bei einer Versicherung einen separaten Vertrag zum Schließen der Lücke abschließen. Dieser Vertrag beinhaltet die sogenannte GAP-Deckung, die Sie im Falle eines Unfalls gegen einen Schaden abdeckt, der schnell viele tausend Euro betragen kann. Experten raten deshalb, bei Fahrzeugen der gehobenen Mittelklasse und darüber hinaus einen GAP-Vertrag abzuschließen, der jedoch ausschließlich für Leasingfahrzeuge möglich ist. Kreditfinanzierte Pkw sind von der Regelung ausgenommen.



Wie die GAP-Deckung funktioniert - ein Beispiel


Für viele klingt die Gefahr einer Versicherungslücke bisher oft all zu theoretisch. Anhand des folgenden Beispiels werden Sie jedoch schnell erkennen, worin die Bedeutung der GAP-Deckung liegt. Nehmen Sie an, dass Sie ein Neufahrzeug geleast haben, das einen Wert von 35.000 Euro hat und dass Sie mit diesem Auto zu Beginn des Leasings einen Totalschaden erleiden. Gemäß eines Gutachtens schätzt die Versicherung den Restwert sodann auf 15.000 Euro, auf den Sie vollen Anspruch hätten.

Allerdings betragen die Kosten aus der Restlaufzeit Ihres Leasingvertrages noch 20.000 Euro. Für die ausstehenden Ratenzahlungen schulden Sie dem Hersteller oder der zwischengeschalteten Bank somit einen Betrag, der um 5.000 Euro über der Summe liegt, die Sie von der Versicherung bekämen.

Ihre normale Kaskoversicherung steht für diesen Schaden nicht gerade, den Sie deshalb aus eigener Tasche bezahlen müssten. Die GAP-Deckung bewahrt Sie davor, denn sie zahlt Ihnen stets den Differenzbetrag, der zwischen dem Versicherungswert und der Restsumme der noch zu leistenden Leasingraten liegt. Wären Sie also im Besitz des GAP-Schutzes, würde Ihnen diese Versicherung die fehlenden 5.000 Euro überweisen.



Der GAP-Schutz wird auch für Privatkunden immer bedeutender


Warum das Thema immer wichtiger wird, zeigt ein Blick in die Statistik: Im letzten Jahr wurden deutschlandweit 3,44 Millionen Pkw neu zugelassen. Mit 2,2 Millionen gewerblichen Zulassungen übernehmen Unternehmen im Vergleich zu den 1,2 Millionen privaten Haltern gut zwei Drittel der neuen Autos, die 2017 einen Durchschnittspreis von rund 28.500 Euro hatten.

Unabhängig davon, ob der Halter privat oder gewerblich auftritt, etwa 75 Prozent aller Fahrzeugkäufe werden nicht mit Barzahlungen abgewickelt, sondern mit Hilfe von Leasing- und Finanzierungsmodellen ermöglicht. Der Anteil des Leasings liegt hier stabil bei gut 40 Prozent. Diese Finanzierungsform ist aufgrund der steuerlichen Absetzbarkeit der Raten hauptsächlich für Unternehmen interessant, weshalb der Leasinganteil bei allen gewerblichen Kfz-Neuzulassungen inzwischen bei weit über 75 Prozent liegt.

Bisher bevorzugen Privatkunden oft noch die Finanzierung durch ein eigenes Finanzinstitut oder die Bank des Autobauers. Deshalb nutzen momentan lediglich gut 20 Prozent der Käufer die Leasingangebote der Hersteller. Allerdings greifen aufgrund der attraktiven Raten und übersichtlichen Konditionen inzwischen immer mehr Privatkunden zu der Leasingvariante. Der Vorteil ist offensichtlich, denn für eine relativ geringe finanzielle Belastung im Monat kommen Sie in den Genuss eines oftmals nach Ihren eigenen Wünschen zusammengestellten Neuwagens.

Nicht zuletzt deshalb wächst bei Privatkunden der Leasingmarkt erheblich schneller, als der Bereich der bankfinanzierten Autokäufe. Vom Volumen her haben die neu abgeschlossenen Leasingverträge fast schon zu den Krediten aufgeholt, wobei von Privatleuten insbesondere teure Fahrzeuge immer häufiger nicht gekauft, sondern geleast werden. Es sind vor allem diese Kunden, die im Schadensfall von der Versicherungslücke schwer getroffen werden. Wer sich in diesem Bereich besser vor unliebsamen Überraschungen absichern möchte, sollte sich deshalb zumindest gedanklich mit dem Thema GAP-Deckung auseinandergesetzt haben.



Brauche ich einen GAP-Schutz?


Das hängt ganz von den Details Ihres Leasingmodells aus. Wenn Sie einen Klein- oder Mittelklassewagen mit niedrigen Raten geleast haben, ist die entstehende Lücke kleiner, als wenn es sich um ein teures Auto mit entsprechend hohen monatlichen Zahlungen handelt. Zudem besteht ein Unterschied in der Restlaufzeit: Je länger diese ist, desto höher Ihre Restschuld bei Ihrem Vertragspartner. Bei einem neuen Fahrzeug der Oberklasse kann der Verlust im Falle eines Totalschadens schnell im vier- oder gar fünfstelligen Bereich liegen, weshalb immer mehr Leasingnehmer gleichzeitig eine GAP-Deckung abschließen, um auch weiterhin gut abgesichert zu sein. Hinzu kommt, dass es vielen Kunden sicher leichter fällt, die vergleichsweise niedrigen Monatsbeiträge der Versicherung zu schultern, als später auf einen Schlag Tausende von Euro bezahlen zu müssen.

Falls sich der Käufer für eine Versicherung entscheidet, ist der Abschluss relativ einfach, denn Sie können die GAP-Deckung meist zusammen mit Ihrer Kaskoversicherung für das Auto abschließen oder diese Option flexibel dazu buchen. Wenn Sie ein Fahrzeug samt dem vom Hersteller angebotenen Versicherungspaket leasen, müssen Sie den GAP-Schutz gegebenenfalls extra bei einer Versicherung abschließen, wenn dieser nicht bereits in dem Paket des Herstellers enthalten ist.

Wenn Sie lieber ganz auf Nummer sicher gehen möchten, können Sie einen GAP-Schutz selbstverständlich auch nachträglich und auch für günstigere Autos abschließen. Sie müssen einfach kalkulieren, ob Ihnen ein beruhigendes Gefühl die Zusatzausgabe wert ist. Letztendlich gilt es beim GAP-Schutz wie bei vielen anderen Versicherungen auch, die Gefahr eines Eintritts des Schadens mit dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis und den zusätzlich entstehenden Versicherungskosten abzuwägen. Egal, wie Sie sich in dem Fall entscheiden: Sie haben eine Wahl getroffen - ganz im Gegensatz zu den Betroffenen, die ohne Kenntnis des GAP-Schutzes unvermittelt und für sie absolut überraschend in die Versicherungslücke rutschen.

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